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BayWISS-Kolleg Gesundheit www.baywiss.de

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15.07.2022 / KSH München / 13:00 Uhr

5. Netzwerktreffen des BayWISS-Verbundkollegs Gesundheit

© BayWISS VK Gesundheit, Fotograf: Peter Kolb

Herausforderungen und Perspektiven der Gesundheitsforschung an HAWs

Die durch veränderte Versorgungsanforderungen bedingte Akademisierung der Pflege-, Hebammen- und Therapieberufe hat sich in den letzten Jahren auch in Bayern stark entwickelt. Die verstärkte Einrichtung entsprechender Studiengänge v.a. an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) trägt dem Ziel der Entwicklung integrativer und innovativer Versorgungskonzepte zum Nutzen der Patient:innen Rechnung. Während die Lehre als Proprium der HAWs seit mehr als 10 Jahren gut etabliert ist, haben sich die Rahmenbedingungen für Forschungstätigkeiten in diesem Bereich noch nicht entsprechend entwickelt. Wie also steht es um diese Grundlagen zur Schaffung wissenschaftlicher Evidenzen in den für die Versorgungslandschaft bedeutsamen Wissenschaften (z.B. Pflegewissenschaft, Hebammenwissenschaften und Therapiewissenschaft), von denen letztlich die Patient:innen profitieren würden?

Dieser Frage widmete sich das diesjährige Netzwerktreffen des BayWISS-Verbundkollegs Gesundheit. Rund 50 Mitglieder des Kollegs und Interessierte am Thema trafen sich an der Katholischen Stiftungshochschule (KSH) in München, um dieser Frage nachzugehen, sich auszutauschen und neue Netzwerke zu knüpfen.

Die Präsidentin der KSH München, Prof. Dr. Birgit Schaufler, die sich sehr über die Ausrichtung des Netzwerktreffens an der staatlichen Hochschule mit kirchlicher Trägerschaft freute, wies auf das große Potential hin, das BayWISS und seine Verbundkollegs für die Förderung innovativer Forschung haben. Der Beitrag, den das Verbundkolleg Gesundheit für die Entwicklung der bayerischen Versorgungsforschung leiste, zeuge von der großen Relevanz der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit.

Das BayWISS-Verbundkolleg als wichtiger Baustein für Forschungsförderung in den Gesundheitswissenschaften

Das Interesse von Mitgliedern aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege am Netzwerktreffen zeigen eine Wertschätzung der Arbeit des Kollegs auch von politischer Seite, wie Priv.-Doz. Dr. Elmar Buchner, Sprecher des Kollegs und BayWISS-Beauftragter (Hochschulleitung) der Hochschule Neu-Ulm, betonte. Dieser Erfolg des Verbundkollegs Gesundheit sei nicht nur darauf zurückzuführen, dass das Thema Gesundheit flächendeckend von den bayerischen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bearbeitet werde und gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels immer wichtiger werde, sondern sei vor allen Dingen auch den engagierten Persönlichkeiten im Kolleg aus beiden Hochschularten zu verdanken. Gleichzeitig gebe es allerdings auch Baustellen: Die Pflegewissenschaft sei bisher noch nicht als eigenes Fachgebiet an Universitäten etabliert. Umso wichtiger sei es, dass Forschungsprojekte in diesem Bereich über Drittmittel gefördert werden. Das BayWISS-Verbundkolleg Gesundheit sei hierbei auch perspektivisch ein wichtiger Baustein, weshalb die Dankbarkeit für die Bereitstellung von Haushaltsmittel durch das StMWK für dieses Projekt groß sei.

Einen expliziten Einblick in die Forschung des Verbundkollegs Gesundheit gaben zwei Promovierende, die ihre Promotionsprojekte in einem Kurzvortrag präsentierten. Während Laura Gerken ihre Verbundpromotion „Deutung und Bedeutung leiblicher Interaktion in der außerklinischen Intensivpflege“ vorstellte, an dem sie im Verbund mit der KSH München und der Universität Augsburg forscht, diskutierte Norbert Lichtenauer mit den Teilnehmenden sein Projekt an der OTH Regensburg und der Universität Regensburg mit dem Schwerpunkt „Good Practice synchroner Videokommunikation innerhalb von Pflege und Therapie nach ICF Kriterien“. Im Fokus der anschaulichen Vorträge standen Methoden, Analysen und erste Ergebnisse der beiden Forschungsvorhaben.

Potentiale und Ziele der Gesundheitsforschung an HAWs: Der Mensch im Mittelpunkt

Das Herzstück des fachlichen Austauschs bildete die Podiumsdiskussion zum Thema „Herausforderungen und Perspektiven der Gesundheitsforschung an HAWs“. Prof. Dr. Bernd Reuschenbach von der KSH München, der als Gastgeber das Gespräch moderierte, debattierte mit Prof. Dr. Eva Grill, Professorin für Epidemiologie mit Schwerpunkt Schwindelerkrankungen an der LMU München, MD Dr. Rolf-Dieter Jungk, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Cornelia Mahler, Direktorin der Abteilung Pflegewissenschaft an der Universität Tübingen und Prof. Dr. Annette Meussling-Sentpali, Professorin für Pflegewissenschaft an der OTH Regensburg, aktuelle Perspektiven und Entwicklungen zum Thema aus Sicht der HAWs, der Universitäten und der Wissenschaftspolitik.

In einer lebhaften Debatte identifizierten die Expert:innen zentrale Unterschiede zwischen Strukturbedingungen an HAWs und Universitäten, die eine nachhaltige Forschungstätigkeit an HAWs, wo bereits zahlreiche primärqualifzierende Studiengänge in den Pflege- sowie Hebammenwissenschaften eingeführt worden sind, erschweren und skizzierten mögliche Entwicklungspotentiale, die letztendlich die Versorgungsqualität verbessern könnten. Als ein relevanter Faktor wurde dabei die Forschungsförderungslandschaft genannt, in der die Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften kaum abgebildet seien und sich folglich die Möglichkeit zur Einwerbung von drittmittelgeförderten Projekten sehr eingeschränkt darstelle. Gleichzeitig führe das Fehlen pflegewissenschaftlicher Professuren und Studiengänge an bayerischen Universitäten dazu, dass auch dort ein Ausbau der Forschungstätigkeiten kaum möglich sei. Eine nachhaltige Entwicklung wissenschaftlichen Nachwuchses, der einen essentiellen Beitrag zur gezielten Weiterentwicklung der Versorgungskonzepte leisten könne, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, sei vor diesem Hintergrund kaum möglich. Ziel müsse es daher sein, ein neues Verständnis für gesundheitswissenschaftliche Studiengänge zu etablieren sowie breite Möglichkeiten und attraktive Bedingungen für das Pflegestudium und eine akademische Karriere in diesem Bereich zu schaffen.

Neue Instrumente und Anreizstrukturen

Dass die genannten Problemlagen bereits einen ersten Eingang in die wissenschaftspolitische Debatte gefunden haben, zeigen verschiedene Lösungsansätze und Anreizstrukturen, die aktuell diskutiert werden: Neben der Hightech Agenda und der Hightech Agenda Plus, von denen ein deutlicher Entwicklungsschub erwartet wird, sei es vor allem das neue Programm „Forschungsimpulse“ der DFG, das dezidiert darauf abzielt, Bedingungen für koordinierte anwendungsbezogene Forschungsvorhaben an HAWs auszubauen. Schließlich enthalte das neue Hochschulinnovationsgesetz (HIG) zentrale Bausteine für die Forschung an HAWs: nicht nur sei vorgesehen, dass mit dem HIG die anwendungsbezogene Forschung neben der Lehre eine Kernaufgabe der HAWs wird, sondern es sei auch die Verleihung eines fachlich begrenzten Promotionsrechts für besonders forschungsstarke Bereiche an den HAWs geplant, so Dr. Rolf-Dieter Jungk, der als Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst die  aktuellen Entwicklungen darstellte.

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, inwieweit die genannten Instrumente einen effektiven Mehrwert speziell für die Pflegewissenschaften bringen werden. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass sich mit der Verbundpromotion im Bayerischen Wissenschaftsforum schon jetzt ein zentrales und strukturbildendes Instrument für die hochschulartübergreifende Forschung findet, das nun durch ein eigenständiges Promotionsrecht an HAWs ergänzt werde.

Beim anschließenden Empfang vertieften die Teilnehmenden die Impulse aus der Diskussion im individuellen Gespräch, knüpften neue wissenschaftliche Kontakte und legten die Grundlage zu neuen gemeinsamen Forschungsprojekten.

Über das Verbundkolleg Gesundheit:

Das Bayerische Wissenschaftsforum – BayWISS wurde 2015 von den bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften als Kommunikationsplattform gegründet und soll eine intensivierte Kooperation zwischen den beiden Hochschultypen fördern.

Einen wichtigen Pfeiler des Bayerischen Wissenschaftsforums bilden die Verbundpromotionen, bei denen die Promovierenden sowohl von einem oder einer universitären Professor:in als auch von einem oder einer Professor:in an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften betreut werden. Im Rahmen des Fachforums Verbundpromotion sind mittlerweile elf Verbundkollegs mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten entstanden. Bei dem in 2017 gegründeten Verbundkolleg Gesundheit, dessen Sitzhochschule die Universität Regensburg ist, handelt es sich um das mitgliederstärkste Verbundkolleg. Inzwischen sind dem Kolleg 23 bayerische HAWs und Universitäten beigetreten und es werden aktuell 52 Promovierende in ihrer Promotion unterstützt.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Sabine Fütterer-Akili
Koordinatorin des BayWISS-Verbundkollegs Gesundheit
 

UR - Universität Regensburg
Zentrum zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

 

Universitätsstraße 31
D - 93053 Regensburg
Telefon +49 941 943-5548
gesundheit.vk@baywiss.de
https://gesundheit.baywiss.de/

Koordination

Treten Sie mit uns in Kontakt. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Anregungen zum Verbundkolleg Gesundheit.

Dr. Sabine Fütterer-Akili

Dr. Sabine Fütterer-Akili

Koordinatorin BayWISS-Verbundkolleg Gesundheit und BayWISS-Verbundkolleg Economics and Business

Universität Regensburg
Zentrum zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Universitätsstraße 31
93053 Regensburg

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