Im Studium der Pflegepädagogik vollziehen die Studierenden eine Transition von der Pflegepraxis hin zu einer pädagogischen Rolle. Dieser Übergang ist mit einem gewissen „Omnipotenzanspruch“ der Pflegelehrenden verbunden (Fichtmüller/Walter 2005: 64). Die Lehrkraft vereint pflegerische sowie pädagogische Expertise in sich – ein hoher Anspruch. Die Rolle der Pflegepraktikerin und der Lehrenden stehen häufig konträr zueinander. Besonders deutlich wird dieser Konflikt in der Aufgabe der Praxisbegleitung, die im praktischen Feld der Pflegeausbildung stattfindet. Dieses Spannungsfeld ist nicht final lösbar (vgl. Wissing/Lüftl 2018: 35). Nach dem Studium münden die Lehrkräfte als Novizinnen in Pflegeschulen ein. Zu Beginn gilt es, vielen Aufgaben, Erwartungen und Anforderungen gerecht zu werden, also greifen die Novizen auf Lehrbuch- und Erfahrungswissen sowie ihre subjektiven Theorien zurück, um den Start als Lehrerin bewältigen zu können (vgl. Messner/Reusser 2000: 162). Oft bedeutet dies Stress für die Berufsanfänger, mit dem Resultat „irgendwie“ zu handeln.
Nach Neuweg (2018: 16) wird pädagogische Professionalität als eine Kombination aus theoretisch erworbenem Wissen sowie die Umsetzbarkeit dieses Wissens in komplexen Situationen des Berufsalltags verstanden. Mit Blick auf die Praxisbegleitung finden sich bezüglich der pädagogischen Professionalität im Rahmen eines beruflichen transistorischen Entwicklungsprozesses kaum Forschungsbefunde. Hier setzt das Promotionsprojekt an. An die narrative Methode angelehnt, soll anhand leitfadengestützter Interviews mit Studierenden der Pflegepädagogik im zweiten, vierten, fünften und siebten Semester nachvollzogen werden, welches Verständnis von Praxisbegleitung die Studierenden in das Studium mitbringen und wie sich dieses im Studienverlauf verändert.
Fichtmüller, Franziska/Walter, Anja (2005): Stellungnahme der Sektion Bildung des DV Pflegewissenschaft zum Positionspapier des Deutschen Bildungsrates für Pflegeberufe: Vernetzung von theoretischer und praktischer Pflegeausbildung. Online verfügbar unter dg-pflegewissenschaft.de/wp-content/uploads/2017/06/PG-1-2005-Fichtmueller_Walter.pdf [06.03.2020]
Messner, Helmut/Reusser, Kurt (2000): Die berufliche Entwicklung von Lehrpersonen als lebenslanger Prozess. Online verfügbar unter www.ife.uzh.ch/dam/jcr:00000000-3212-6146-ffff-ffffb5f64501/Messner_Reusser_Berufliche_Entwicklung_lebenslanger_Prozess.pdf [06.03.2020]
Neuweg, Hans Georg (2018): Distanz und Einlassung. Gesammelte Schriften zur Lehrerbildung. Münster: Waxmann.
Wissing, Christiane/Lüftl, Katharina (2019): Den Entwicklungsprozess von der Pflegeperson zur praxisbegleitenden Lehrkraft fördern. In Katharina Lüftl/Andrea Kerres / Bettina Felber, Praxisbegleitung: Perspektiven für die berufliche und akademische Pflegebildung. Berlin: Springer.
Transition von der Pflegepraktikerin zur Pflegelehrenden
MITGLIED IM KOLLEG
seit
Prof. Dr. Andrea Kerres
Forschungsschwerpunkte:
- Bildung- und Bildungsmanagement
- Digitalisierung
- Subjektive Theorien im Lehrerhandeln
Betreute Projekte:
Prof. Dr. Alfred Riedl
Betreute Projekte:
